Schönheitsideal – eine Frage der Perspektive? oder warum Mollige für ihre Ansichten oft rund gemacht werden

24. Februar 2012 | Von | Kategorie: Molli-Figur (Mollige Figur), Mollig im Alltag, Mollige Gedanken
Schönheitsideal - eine Frage der Perspektive? oder warum Mollige für ihre Ansichten oft rund gemacht werden (Copyright: Karen Münch-Thornton - Fotolia.com)

Schönheitsideal – eine Frage der Perspektive? oder warum Mollige für ihre Ansichten oft rund gemacht werden (Copyright: Karen Münch-Thornton – Fotolia.com)

Die Frage nach dem wahren Schönheitsideal ist so nervig und müßig, wie die Diskussion, die ständig darüber geführt wird. Denn seien wir mal ehrlich: Es geht dabei doch oft eigentlich nicht um irgendein Schönheitsideal einer Gesellschaft, sondern ist der Deckmantel einer „Darf-man-dick-sein?!-nein-du-musst-dünn-sein“-Diskussion.

Gestern Abend wurde ich via TV einmal mehr Zeugin einer eigentlich sehr nett startenden Diskussion, während der es der Moderator jedoch schnell geschafft hat, dem ganzen Verlauf einen schal-traurigen Beigeschmack zu verleihen.

Aber immer der Reihe nach:

Tine Wittler war gestern Abend bei Markus Lanz zu Gast, um u. a. ihr neues Buch vorzustellen. Sehr offen und sympathisch ehrlich erzählte sie von ihren persönlichen Erfahrungen, wie andere Leute mit ihrer Figur umgehen, und dass Bemerkungen über ihre Figur, auch bei all ihrem Erfolg, nicht spurlos an ihr vorübergehen.

Ein Cliffhanger, den Markus Lanz auf unangenehme Weise nutzte, um auf ihr neues Buch hinzuweisen. Ich habe es noch nicht gelesen, deshalb bin ich vorsichtig, mich darüber zu äußern. Nur soviel:

Für das Buch „Wer schön sein will, muss reisen“ machte sich Tine Wittler, aus gestriger Sendung zu schließen, auf nach Mauretanien, in ein Land, in dem dicke, korpulente Frauen als Schönheitsideal gelten.

Und was war das Ende vom Lied? Markus Lanz machte einen auf investigativen Journalisten (was ihm einmal mehr gründlich misslang), nur um ihr dann den Stoß zu versetzen und ihr zu unterstellen, sie würde die krankmachenden Mästungen der Mädchen, die dort praktiziert werden, begrüßen. Natürlich tarnte er das als „Aber wir sind uns einig, dass beides gleichermaßen absurd ist?!“, worauf er sich auf den Schlankheitswahn junger Mädchen hier und den Mästungspraktiken in Mauretanien bezog.

Und statt eine gute Chance zu nutzen, über die Werte, Normen und Sichtweisen der Gesellschaft zu diskutieren, hinterließ die Sendung bei mir nichts weiter als einen schalen Beigeschmack und dafür konnte Tine Wittler überhaupt nichts. Markus Lanz schaffte es dann sogar noch (und das in nicht mal 15 Minuten), Tine Wittler einfach mal in den Mund legen, dass sie ein Problem mit ihrer Figur hat… NEIN, sie hat KEIN grundlegendes Problem mit ihrer Figur. Aber sie HAT ein Problem mit Menschen, die sie nicht so akzeptieren können, wie sie ist.

Genau diese beiden völlig unterschiedlichen Aspekte werden häufig in Diskussionen über die Figur in einen topf geworfen und unkritisch vermischt und gleichgesetzt.

Also heißt es leider wieder einmal: Thema verfehlt … und das unter dem wohlwollenden Nicken von mehr oder minder bekannten Prominenten, die an diesem Abend sichtlich durchatmeten, wobei ihnen auf der Stirn geschrieben stand: „Gott sei Dank habe ich diese Probleme nicht.“

Und eine weitere, ebenfalls typische Beobachtung, die man bei diesen Diskussionen machen kann: Kaum fangen Mollige an, über ihre Gefühle im Umgang mit ihrem Gewicht zu sprechen, hängt die Frage aller Fragen wie ein Damokles-Schwert über den Diskussionsteilnehmern in der Luft: „Und warum nimmst du dann nicht ab?“

Der Schutz der Schlanken vor der Auseinandersetzung mit 10 oder 20 Klio plus Menschen.

So schade: Einmal mehr hat es ein Moderator, in diesem Fall Markus Lanz, versäumt, die Zuschauer nach einem Molli-Thema mit einem guten Gefühl ins TV-Off zu schicken. Chance vertan! Wie so oft…

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12 Kommentare auf "Schönheitsideal – eine Frage der Perspektive? oder warum Mollige für ihre Ansichten oft rund gemacht werden"

  1. Tessa sagt:

    Hey Molli,

    danke für den Artikel, der ist ja wirklich äußerst interessant!

    Ich habe den Beitrag leider nicht selbst im Tv gesehen, aber wie du das hier schilderst und beschreibst, da muss ich dir zustimmen, wie traurig das ist, dass viele Leute nur auf das Äußere achten und man immer meint, dass Personen, die etwas molliger sind, sich nicht wohlfühlen…“NEIN, sie hat KEIN grundlegendes Problem mit ihrer Figur. Aber sie HAT ein Problem mit Menschen, die sie nicht so akzeptieren können, wie sie ist“ trifft da jawohl mal genau zu, man kann durchaus mit sich selbst zufrieden sein!!!
    🙂
    Danke für den Beitrag! Das zeigt wiedermal, wie viele Leute denken, traurig!

    • Molli March sagt:

      Hallo Tessa,

      vielen Dank für deinen ermunternden Kommentar. Ich bin gerade dabei, das Buch zu lesen… was mir jetzt schon auffällt: Es beschreibt in der Einleitung wiedererkennend (wenn es dieses Wort gibt), welchen Situationen sich Mollige im Alltag stellen müssen, welche Gefühle sie durchleben und wie „die Gesellschaft“ (man muss vorsichtig sein zu generalisieren) mit Molligen umgeht… und es wird (an der Buchstelle, wo ich gerade bin) gerade spannend (und auch erschütternd), wie andere Gesellschaften mit Molligen umgehen… wobei ich leider auch nicht sehe, dass die Autorin (die im Selbstversuch an einer Mästung teilgenommen hat) sich von den furchtbaren Praktiken distanziert…. aber endgültig kann ich es sagen, wenn ich das Buch fertig habe … dann gibt es hier bestimmt eine Rezension…

      Wenn du das Interview sehen willst… es ist in der Mediathek des ZDF zu finden. Markus Lanz vom 23.02.2012

      Liebe mollige Grüße 🙂

      • Tessa sagt:

        Hey Molli,

        ich freue mich sehr über deine Antwort. Oh jeee, klingt schon sehr erschütternd! Schlimm!
        Oh ja, das würde mich sehr freuen, wenn du hier etwas in Bezug auf eine Rezension zu dem Buch mit uns teilst 🙂
        Wäre klasse! Oh, danke für die Info, das Interview würde ich mich sehr gerne ansehen, muss ich unbedingt noch machen! Danke ^^

        Dir ein schönes Wochenende! 🙂
        Liebe grüße,
        🙂

        • Molli March sagt:

          Hallo Tessa,

          ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende und vielen Dank für deine Molli-Blog-Unterstützung! Dieser Dank geht an alle fleißigen und treuen Kommentatoren.

          Ein schönes Wochenende euch allen!

          Liebe mollige Grüße Molli

          • Tessa sagt:

            Hey Molly,

            hoffe, du hattest auch ein schönes Wochenende! :-))
            Gerne doch, bin begeistert von diesem Blog! Nochmal großes Lob an dich! 🙂

            Lg Tessa

  2. Ich will mich auch einmal anschliessen und meinen Senf zum Thema abgeben.
    Ich denke dass die Haupteigenschaft für Schönheit /Ausstrahlung ist, zufrieden zu sein.
    Ich habe wirklich schon viele dem Schönheitsideal entsprechende Menschen gesehen, die auf den 2ten Blick einach nur lanweilig und unattraktiv wirkten. Im Gegensatz dazu auch Menschen die aus der Norm des Ideals fallen, aber sehr attraktiv wirkten. Der Grund dafür wahr meiner Meinung nach wirklich , das Selbstvertrauen und die Zufriedenheit der jeweiligen Person.
    Natürlich wird es einem als molliger Mensch schwer gemacht , wenn man so eine Meinung wie bei der besagten TV Show ständig vorgehalten bekommt.
    Ich denke man muss einfach lernen dass nicht so ernst zu nehmen. Ein positives Lebensgefühl und Zufriedenheit mit sich selber , sind die essentiellen Bausteine der Ausstrahlung und Schönheit.
    Gruß

    • Molli March sagt:

      Hallo Holger,
      vielen Dank für deinen Beitrag, über den ich mich sehr gefreut habe und dem ich von Herzen zustimme. Ausstrahlung kommt durch Zufriedenheit, woraus Selbstvertrauen resultiert und Zufriedenheit und Selbstvertrauen sind wichtig für eine attraktive Wirkung auf andere. Was ein schönes Credo für die Woche. Ich liebe es. Leider habe ich manchmal das Gefühl, dass es fast an Frevel grenzt, wenn man sich als Molli attraktiv fühlt. Aber genau deshalb fühle ich mich erst recht so. Danke, dass du mich daran erinnert hast! Viele mollige Grüße an dich!

      • Tessa sagt:

        Liebe Molli, lieber Holger!

        Gerade mal wieder den Blog besucht, schon wieder neue Beiträge, super! „Ausstrahlung kommt durch Zufriedenheit, woraus Selbstvertrauen resultiert und Zufriedenheit und Selbstvertrauen sind wichtig für eine attraktive Wirkung auf andere.“. Bin wieder begeistert, liebe Molli, dein Blog ist immer wieder einen Besuch wert. Genau wie Holger kann ich da nur zustimmen, man kann nicht sagen, entweder man hat Ausstrahlung oder nicht, Ausstrahlung hat jeder, – und vor allem, wenn man sich selbst in seiner Haut wohlfühlt, dann wirkt man auch attraktiv auf andere. Der äußere Schein kann ja bekanntlich trügen, kenne ich nur allzu gut, manche Leute haben zwar äußerlich eine schöne Ausstrahlung, jedoch sind sie innerlich komplett abstoßend – und wer denkt, das Austrahlung nur etwas mit Schönheit zu tun hat, der irrt sich! Ausstrahlung hat auch immer mit den inneren Werten zu tun. Leider sieht man ja nur zuerst den Menschen, bevor man ins Gespräch kommt usw. 🙂
        Lg Tessa 😉

        • Molli March sagt:

          Liebe Tessa,
          vielen Dank für das liebe Kompliment! Ich bin beim Lesen etwas errötet. Es freut mich sehr, dass du immer wieder vorbei schaust. An der Stelle auch nochmals an Holger ein dickes Dankeschön.
          Ich stimme dir zu, wer sich wohlfühlt, strahlt das auch aus und wirkt attraktiv auf andere.
          Aber ich gestehe: Genau daran hapert es manchmal bei mir. Es gibt Tage, an denen ich selbstbewusst und mit mir zufrieden durch die Welt gehe und niemand kann mir etwas anhaben. An diesen Tagen kleide ich mich schick und gefalle mir! Aber dann gibt es diese anderen Tage, an denen ich die Haare zu einem Zopf nach hinten binde, mir die Kleidungszelte aus dem Schrank krame und nur durch die Öffentlichkeit husche – so ungesehen wie möglich. Ich behaupte bestimmt nicht, dass es nur Molligen so geht, aber ich denke schon, dass wir Mollis solche Tage irgendwie intentsiver empfinden. Habe ich da Vorurteile?
          Auf alle Fälle bin ich über diese meine kleine Austausch-Community, die ich in euch gefunden habe.
          Ich freue mich auf den weiteren Austausch und wünsche dir Tessa, dir Holger und allen anderen Leserinnen und Lesern einen tollen Wochenstart. Mollig-herzliche Grüße 🙂

  3. […] dieser Stelle möchte ich meine Antwort auf den Kommentar zu meinem letzten Beitrag Schönheitsideal hinweisen:“Ausstrahlung kommt durch Zufriedenheit, woraus Selbstvertrauen resultiert und […]

  4. Aiko sagt:

    Ich habe den Beitrag im TV ebenfalls nicht gesehen, aber allein was Du beschreibst, ist schon unfassbar. Jemanden indirekt nicht so annehmen zu können, wie er ist, finde ich schlimm. Mir ist dann die Ehrlichkeit lieber. Entweder kann man jemanden annehmen, wie er ist oder halt nicht, aus welchen Gründen auch immer … Aber so etwas Scheinheiliges … ahr, schlimm!

    • Molli March sagt:

      Liebe Aiko,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe das traurige Gefühl, dass den anderen nicht anzunehmen heute immer gesellschaftsfähiger wird. Deshalb habe ich dieses Blog gestartet. Mein Anliegen war, „einen Ort zum Wohlfühlen im Internet zu bieten, der Übergewicht, eine schiefe Nase oder das verhasste Muttermal im Gesicht (wenigstens für eine kurze Zeit) vergessen lässt.“ Jeder soll sich so annehmen, wie er ist UND andere möchte ich daran erinnern, das Gegenüber auch so anzunehmen, wie es ist. Eine Mammut-Aufgabe in der heutigen Zeit 😉 Aber mich einem Lächeln geht alles… viel leichter 🙂
      Was den TV-Beitrag angeht: Wenn du an dem Interview interessiert bist, findest du es in der Mediathek des ZDFs. Markus Lanz vom 23.02.2012. Einen Link zu setzen (sowohl in den Kommentaren als auch im Text selbst), damit konnte ich mich nicht anfreunden. Ich weiß auch nicht: Ich schreibe zwar darüber und möchte meinen Leserinnen und Lesern so viel Service wie möglich bieten, aber wirklich die Leute dahinschicken will ich auch nicht… was für ein doofes Dilemma 😉

      Ich habe eben dein Blog besucht und ein wenig durchstöbert und entdeckt, dass wir etwas gemeinsam haben: Wir beide lieben den Winter 🙂 Das finde ich eine nette Gemeinsamkeit. Ich hoffe, ich lese dich hier bald wieder. Einen tollen Wochenstart wünscht dir Molli 🙂

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