Eine Hymne an die Vielfalt ODER warum wir alle Stühle sind…

25. März 2014 | Von | Kategorie: Mollis Gäste
Eine Hymne an die Vielfalt ODER warum wir alle Stühle sind (Copyright: Alessa von My-Dress-Codes.de)

Eine Hymne an die Vielfalt ODER warum wir alle Stühle sind (Copyright: Alessa von My-Dress-Codes.de)

Heute ist eine Premiere: Ich begrüße eine Gastautorin auf meinem Molli-Blog. Ich freue mich, denn sie hat mich durch ihre schönen Worten daran erinnert, wie es damals war, als ich meinen Molli-Blog angedacht und schließlich gestartet habe (Mollis Motivation). Danke für deine Hymne an die Vielfalt, Alessa.

Folgender Artikel wurde von Alessa (www.my-dress-codes.de) geschrieben:

Es gibt solche Orte, die findet man ganz zufällig und man schließt sie sofort ins Herz. Weil sie besonders sind. Neulich war ich in einem Café und das war so ein Ort… Schon beim Betreten verliebe ich mich in die Art dieses kleinen Lokals, da war etwas Erfrischendes, etwas Belebendes. Irgendwas hat mich verzaubert und ich wusste nicht einmal sofort, was das war…. Ich hab ein paar Minuten gebraucht, bis ich es rausfinden konnte.

Und dann, ping, ging mir ein Licht auf. Es war die Einrichtung: Jeder Stuhl in diesem Café war anders. Da stand ein pink angestrichenes Holzstühlchen, zierlich und fein mit einer Macke an der Rückenlehne. Daneben thronte ein weißer Stuhl, Kunststoffschale und Chromfüße, schlichte Eleganz. Gegenüber: Ein korpulenter Stuhl aus mächtigem Korbgeflecht neben einem quirligen Polsterstühlchen, bezogen mit großen, samtigen Blumen.

Kein Geld gehabt für ordentliche Möbel!? – könnte man jetzt sagen. Mag sein.
Aber ich sage: Diese Stühle standen da und sie lachten mich an, jeder einzelne. Der Laden lebte, jeder Stuhl erzählte eine Geschichte. Sie waren wie Menschen, jeder anders. „Deswegen kommen wir hierher“, sagen die Leute, die fast jeden Tag im Café sitzen. Manche Menschen kommen hier gar nicht her, es gefällt ihnen nicht. Sie wollen lieber, dass alle Stühle gleich aussehen.

Über meinem Kopf machte sich ein Fragezeichen breit: Wieso eigentlich? – wieso sollen und wollen alle gleich aussehen? Wieso sind da diese festgefahrenen Idealmaße in den Köpfen der Menschen? Warum kämpfen junge Frauen gegen das Unglücklichsein, weil ihre Figur nicht diesen Vorstellungen entspricht? Wieso wollen sie aussehen, wie die Damen auf den großen Werbetafeln, und zwar am liebste GENAU so!? Anders formuliert – wäre dieser Wunsch im übertragenen Sinne nicht genau dieser: „Wir alle wollen weiße Stühle sein“!?

Stellt euch nur vor… alle gleich. Alle Frauen mit Kleidergröße 36/38, alle Frauen blond und vielleicht mit großen Brüsten. Alle Männer mit Sixpack und alle Kinder hochbegabt und zuckersüß. Da kommen wir ja aus dem Gähnen nicht mehr raus…

Als ich aus dem Café ging, da trällerte ich ein kleines Lobeslied: Eine Hymne auf die Vielfalt. Die Vielfalt aller Menschen. Stellt euch nur vor, wir alle würden gleich aussehen!? Wäre das nicht schlimm? Klar, unsere Organe brauchen irgendeine Hülle… aber ist es nicht klasse, dass sie bei jedem anders aussieht?

Menschen sind also – mit Verlaub gesagt – wie Stühle. Manche sind quirlig und manche sind schlicht und elegant. Manche sind zierlich und manche sind korpulent und mächtig. Manche sind schrill, manche zurückhaltend, bei manchem blättert die Farbe ab – so what!? Es macht sie liebenswert!

2 Kommentare auf "Eine Hymne an die Vielfalt ODER warum wir alle Stühle sind…"

  1. Stephanie sagt:

    Liebe Molli, liebe Alessa,

    das ist eine so schöne Metapher, dass ich ganz hingerissen bin. Stühle! Da kommt mir doch gleich die Idee, so einen Selbsteinschätzungs-Test bei der Stilberatung zu verwenden… „Welcher Stuhl sind Sie? “ würde ich dann fragen und aus der Antwort ganz viele Informationen über das persönliche Stilempfinden herauslesen können.
    Das ist übrigens eine häufig angewandte Methode bei der Entwicklung eines eigenen Stils: Im Mood Board werden neben Kleidungsstücken auch Einrichtungsgegenstände und ganze Räume gesammelt, um einen Gesamt-Eindruck von Formen, Farben und Atmosphäre zu erhalten.
    Und wenn man dann seinen ganz persönlichen Stil gefunden hat, spricht eigentlich nichts mehr dagegen, nur noch einen Stuhltyp im Esszimmer zu versammeln. Die Gäste müssten sich dann nur noch ihren Stuhl mitbringen, wenn Sie ebenfalls „stilgerecht“ essen möchten… 😉 Da fällt mir ein: Welcher Stiltyp ist man eigentlich, wenn man Klappstühle liebt?

    Also Ihr seht, der Beitrag löst bei mir so allerlei Assoziationen aus, denen ich bestimmt noch weiter nachgehen werde. Tausend Dank für diese Anregung!

    Liebe Grüße von
    Stephanie alias die Modeflüsterin

    • Molli March sagt:

      Liebe Stephanie,

      ein wunderbarer Gedanke, diese Metapher mit Stilberatung in Verbindung zu bringen. Davon möchte ich wirklich mehr lesen :-). Teile es hier bitte mit uns, wenn du diesen Weg weitergehst. Ich bin sehr gespannt!

      Welcher Stuhl ich wohl wäre? Hmmm… Ich bin glaube ich ein stabiler, moderner Stuhl, der mittels Polster auf Antik getrimmt ist… hmmm … macht das Sinn? Darüber muss ich jetzt nachdenken 😉 Ui… oh je… ich glaube tatsächlich, das ergibt für mich einen Sinn 😉

      Liebe Grüße

      Molli

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