Gegensätze ziehen sich an oder wie viel Unterschiedlichkeit tut einer Beziehung wirklich gut?

24. September 2013 | Von | Kategorie: Molli-Mädel und die Männer (Mollige Liebe), Mollig im Alltag

 

Gegensätze ziehen sich an oder wie viel Unterschiedlichkeit tut einer Beziehung wirklich gut? (Copyright:Laura Gibson - Lauraland)

Gegensätze ziehen sich an oder wie viel Unterschiedlichkeit tut einer Beziehung wirklich gut? (Copyright: Laura Gibson – Lauraland)

Darf ich mir eigentlich einen schlanken Freund wünschen? Im ersten Moment klingt es nach einer sehr, sehr dummen Frage. Wirklich? Denn im Alltag werde ich immer wieder mit den komischsten Fragen konfrontiert, wenn es um eine Liebesbeziehung geht. Fragen wie ‚wie groß darf ein Altersunterschied sein? Darf ich einen wesentlich jüngeren Mann lieben, oder muss er älter sein? Was ist, wenn er kleiner ist als ich? Oder wenn er schlanker, jünger und kleiner ist als ich?‘ sind nicht selten. Manchmal frage ich mich belustigt, ob ich mich überhaupt in den verlieben darf, in den ich mich verlieben möchte? Du regst dich beim Lesen auf über die letzte, absurd klingende Frage?

Schön… aber im Stillen mal ganz ehrlich: Hast du nicht selbst auch schon in der Stadt einen ungläubigen Blick hinter optisch deutlich unterschiedlichen Paaren hergeworfen und dir deinen Teil gedacht? Wenn der Gedanke positiv war, wie „toll, muss wahre Liebe schön sein“, dann super. Aber war nicht auch mal ein kleines gemeines „Was will der denn mit der?“ dabei? Letzteres schließt du für dich kategorisch aus? Sorry, aber das glaube ich dir nicht.

Denn die Meinungen anderer Leute beeinflussen uns nunmal. Konsequenz daraus ist: Ich muss mir ständig anhören, dass ich drauf sch*** soll, was andere von mir denken. Ja, klar, eine gute und gesunde Grundeinstellung zu sich selbst ist wichtig… aber im Alltag wird es schnell zum Blablabla.

Nämlich genau dann, wenn jemand dir im Bus gegenübersitzt und irgendwie komisch grinst. Du beziehst es automatisch auf dich, fühlst dich unsicher und zupfst nervös an deinem T-Shirt herum, um auch ja sicher zu gehen, dass es am Busen richtig sitzt und die Speckrollen kaschiert.

Dann heißt der gut gemeinte Rat meist: „Ignorier es einfach“. Ein ironisches Hoch auf diese glorreichen Weisheiten. Und abhaken, denn sie funktionieren nicht.

Wenn es um eine Liebesbeziehung geht, bleibt man auch nicht lange von Weisheiten wie „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“ verschont. Ich stehe dann immer nur da und denke: „Hä, watt dann nu? Gleich oder unterschiedlich?“

Ja, in der Auffassung, bzgl. der Werte und einiger Grundprinzipien ist es für eine Liebesbeziehung sicher wichtig, ähnlich zu ticken. Aber wie langweilig Paare wirklich sind, die über die Jahre eher wie Bruder und Schwester wirken als noch irgendwie verliebt, weil sie sich so ähneln, muss ich hier nicht groß erklären. Die kennen wir alle aus unserem Bekanntenkreis. Vielleicht EIN Grund, warum so viele Beziehungen und Ehen bis zum 20-jährigen Jubiläum scheitern? Weil man letztlich vorhersehbar wird und das langweiligt irgendwann?!

Also doch die Gegensätze-Variante? Wählt man einen Partner nicht gerade auch deshalb aus, weil man eine Eigenschaft in ihm entdeckt hat, die man selbst gerne hätte? Gleiche Werte, gleiche Vorstellungen vom Leben sind schön und gut und sicher auch die richtige Basis. Wichtig ist aber auch ein Maß an Unterschiedlichkeit, denn man kann immer wieder Neues entdecken und die Beziehung fährt sich nicht ein.

Aber was ist, wenn die Unterschiedlichkeit sehr deutlich ist? Was ist, wenn er jünger, schlanker, attraktiver und und und ist? Der Mann, in den ich dachte verliebt zu sein, verkörperte eigentlich alles, was ich nie gesucht hätte, wenn ich gesucht hätte. Aber er war alles, was ich nie geglaubt hätte zu finden. Er ist in meinem Leben einfach passiert. Mit Happyend oder ohne ist unterm Strich total egal. Er war besonders, ist etwas Besonderes. Und ist es nicht letztlich das, was das Phänomen Liebe ausmacht? Das unerwartete, nicht zu wissende Etwas, dass dieses besondere Gefühl hervorruft und so wunderbar unerklärlich ist, zu finden? … in all seiner Unterschiedlichkeit der Beteiligten? …. und egal, was andere denken oder sagen?

Was meint ihr? Wie viel Unterschiedlichkeit der Partner kann eine Liebe aushalten?

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5 Kommentare auf "Gegensätze ziehen sich an oder wie viel Unterschiedlichkeit tut einer Beziehung wirklich gut?"

  1. Hallo Molli March,

    also was Äußerlichkeiten anbelangt, finde ich Unterschiede nicht unbedingt sooo wesentlich für das Gelingen einer Beziehung, sofern beide drüber stehen. Entscheidend ist doch sicher eher ob man z. B. gleiche Wertvorstellungen hat, also mehr, ob die Basispunkte passen. Charakterliche Gegensätze ziehen sich an, klar…das ist bestimmt auch zunächst einmal interessant und spannend. Einfach weil es vom „Normalen“ oder sagen wir „Gewohnten“ abweicht. Das hält jedoch meist nicht lange an.

    Wichtig ist nur, was DU denkst und fühlst. Wenn zwei Menschen sich lieben – egal ob älter, jünger, größer… – dann kann das dem Rest der Welt doch egal sein.

    ABER: Liebe kennt keine solchen Gesetze, wenn’s passiert und man sich verliebt, ist man machtlos! UND: Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Viele Grüße
    Thomas Schmidt

    • Molli March sagt:

      Lieber Thomas,

      schöne Worte, wirklich! Aber da kommt die Skeptikerin doch ein wenig in mir zu Wort. In unserem Wunsch nach Liebe stehen wir sicher über gewissen Dingen, aber dann ist da noch die Realität und der gelebte Alltag. Und natürlich auch der Mut der Beteiligten, zu sich zu stehen.

      Mag sein, dass Liebe keine Gesetze kennt, aber die Welt, in der die Liebe gelebt wird, sieht das meist anders und setzt Hürden.

      Aber irgendwie merke ich gerade, dass ich nochmals darüber eine Nacht schlafen muss.

      Sich machtlos zu verlieben ist im Kummer besonders schmerzhaft…. hmmm…

      Nachdenkliche Grüße

      Molli March

  2. buttercup sagt:

    Hi Molli,
    Ich habe Deinen Post jetzt mehrmals gelesen, da es im Moment eine Frage ist, die mich auch beschäftigt. Wie unterschiedlich darf der Partner sein und macht es überhaupt einen Sinn es mit jemandem zu versuchen, der so total Gegensätzlich ist? Bis jetzt habe ich noch keine Antwort darauf gefunden oder grübele ich einfach zu viel?
    Aber in Männer, die vielleicht in der Theorie gut zu mir passen würden, verliebe ich mich dann irgendwie nie. :/
    Du hast eine mitreißende Art zu schreiben, Dein Blog unterscheidet sich sehr von den andern, die ich so lese und irgendwie berühren Deine Worte mich.
    Man merkt, wie traurig Du bist, deshalb schicke ich Dir eine virtuelle Umarmung und liebe Grüße,
    Buttercup

    • Molli March sagt:

      Liebe Buttercup,

      vielen Dank für deine lieben Worte und deine virtuelle Umarmung. Beides tut so gut! Ich freue mich sehr, dass ich mit meiner Art zu Schreiben, dich berühre. Das bedeutet mir viel. Gerade jetzt in dieser Zeit.

      Ich sehe das genauso wie du: Man sollte nicht so viel darüber grübeln. Deshalb ist dieser Blog für mich auch eine Art Ventil, Gedanken zu sortieren, sie schriftlich festzuhalten und dann eben auch loszulassen und freizugeben.

      Ich hätte bis vor einem halben Jahr auch nicht gedacht, dass man sich „einfach so“ verlieben kann, ohne es zu steuern. Manchmal wird man im Leben eben zum Lernprozess gezwungen.

      Du bist also auch in einer ähnlichen Situation? Magst du es mir anreißen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen?

      Ich freue mich, dass du meine Leserin bist.

      Liebe Grüße

      Molli March

  3. […] zu mir selbst zu stehen. Denn ich war nicht immer mit meinem modischen Molli-Ich im Reinen. Und was Männer angeht… na ja, Profis sind da sicher auch andere auf diesem […]

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