Der schwierige Weg zum modischen Molli-Ich

22. Mai 2011 | Von | Kategorie: Mollig im Alltag, Mollige Mode

 

Darf Mollige sich für Mode interessieren? (Copyright: Kirill Polovnoy, Fotolia.com)

Darf Mollige sich für Mode interessieren? (Copyright: Kirill Polovnoy, Fotolia.com)

Auf meinem Molli-Weg war es nicht leicht zuzugeben, dass ich mich für Mode interessiere – vor mir selbst und vor anderen. Ich war verunsichert, ob ich als Molli-Mädchen überhaupt modisch denken darf oder nur die Säcke tragen sollte, die noch bis vor ein paar Jahren in Übergrößengeschäften für mich zur Auswahl standen.

Denn in Normalläden immer nach XL oder XXL zu suchen, war einfach frustrierend.

Und in so genannten Übergrößen-Geschäften hing alles an mir wie ein Sack und ich wurde mit den Worten „Hier finden Sie sicher nichts“ hinauskomplimentiert – wie übrigens auch aus Normalogeschäften.

Ich saß modetechnisch also in der Falle!

Heute muss ich zugeben, ist es ein wenig einfacher…

Ich habe, verglichen mit meinem ursprünglichen Kampfgewicht, deutlich abgenommen. Damals waren es etwa 45 Kilogramm über dem von Ernährungsberatern (zu denen ich ein anderes Mal komme) „gesetzlich vorgeschriebenem Idealgewicht“ …

An dieser Stelle muss ich übrigens auch meinen Eingangsbeitrag korrigieren: Es sind jetzt noch genau 15, 5 Kilogramm zu viel.

Aber das soll nicht mein Thema sein… ich möchte bewusst keinen Abnehm-Blog oder Diät-Blog schreiben. Mir geht es um das Molli-Gefühl in mir und wie sich das Molli-Mädchen in mir fühlt.

Denn es ist immer da: beim Shoppen, in einem Business-Meeting, in einem Restaurant, wenn ich jemandem begegne, den ich nett finde und so weiter und – wird es wohl immer sein…

Heute trage ich L bis XL… Aber erst das Abnehmen hat mich dazu gebracht, auch zu meinem modischen Interesse zu stehen… so gelesen… irgendwie traurig…

Aber immerhin:
Heute WEIß ich: Ich bin eine mollige Fashionista – yeah, I rock Fashion and Style ;-).

Kennt ihr auch das Gefühl, was ich oben beschrieben habe: Die Frage, ob man als Molli modisch interessiert sein darf? Oder war das für euch nie ein Problem?

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11 Kommentare auf "Der schwierige Weg zum modischen Molli-Ich"

  1. Nervtoeterin sagt:

    Mode….ich bin mollig, 50 Jahre alt und weiß inzwischen, wie egal Mode eigentlich ist. Ich ziehe an, was zu mir passt, was mir gefällt und nicht, was mir diktiert wird. Mode ist eine kurze Erscheinung, die sich alle 10 Jahre wiederholt. Ich bin länger da, mit meinem Körper, mit meinem Geschmack, mit meiner Individualität. Mode ist ein „mit dem Strom schwimmen“ und damit habe ich mich schon immer schwer getan. In einer Welt voll rosa, dicker „Schweinchen“ blitzte ein grünes Schweinchen mit orangefarbenen Haaren auf.
    Mit 16 fuhr ich Mopped, rot lackierte Fingernägel, Dauerwelle und hatte Schwierigkeiten beim Aufsteigen, weil ich meinen grau-gestreiften-Nadelstreifenrock über die Oberschenkel ziehen musste. Parka, Jeans und Boots trugen alle, ich auch eine Zeit lang, aber dann war mir klar, dass ich mich damit nicht aus der Masse hervorhebe…

  2. Molli March sagt:

    Hallo Nervtöterin (was du übrigens gar nicht bist :-)),

    vielen Dank für deinen Beitrag, über den ich mich sehr gefreut habe.

    Ich denke… nein, vielmehr ich wünschte, ich könnte auch so denken… Aber in meiner Branche ist es wichtig (und da mache ich mir nichts vor), auf Kleidung und ein modisch-stilgerechtes Auftreten zu achten. Gerade der PR-Bereich international ist tough… vor allem für eine Frau mit Übergewicht. Auch wenn ich meine, dass ich mich sicher nicht von einem strikten Mode-Diktat geißeln lasse, beeinflusst es mich schon.

    Aber, im Gegensatz zu einigen Jahren zuvor, genieße ich Mode jetzt …

    Wahrscheinlich muss ich für mich die Begriffe „Mode“ und „eigenen Stil“ trennen. Mode muss ich mir ein wenig diktieren lassen, den eigenen Stil nicht. Was gerade modisch ist, gefällt mir zwar auch nicht immer, – davon kann ich meist kaum etwas tragen, weil es die Kleidung nicht in meiner Größe gibt – aber ich kombiniere gerne neue Teile mit meinem eigenen Stil…

    Dein Betrag zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein, zu welchem ich wahrscheinlich noch finden muss. Er macht Mut, zu sich selbst zu stehen. Vielen Dank dafür und beste Molli-Grüße 🙂

  3. Prachtweib sagt:

    Hallo, ich bin ein dickes, großes rundes Prachtweib und ja, ich muss es zu geben, liebe Mode!!! Ich finde es toll mich in auffallende und nicht alltägliche Klamotten zu hüllen, meine Kurven zu betonen…denn die Zeiten des Verhüllen und Kaschieren wollens sind für mich vorbei und um es mal ehrlich zu sagen, als dicke ( trage Gr. 48) große Frau kann man sich sowieso nicht unsichtbar kleiden! Deswegen Mut zur Farbe und ein bissl Bling Bling und fertig !!
    Grundsätzlich lasse ich mich zwar inspirieren von dem was gerade IN ist, aber was mir nicht gefällt , gefällt mir nicht und wird nicht getragen !!!!
    Da kann die Verkäuferin in einem Modeladen für große Größen mir 5 mal sagen das mit der Pullover mit Plüschbärchenapplikationen super steht, aber bitte…*kopfschüttel* mit so etwas würde ich noch nicht mal die Fenster putzen.
    Ich persönlich finde, dass jede Frau Ihren eigenen Stil kreieren sollte , egal ob dünn, mollig oder dick… nur er sollte nicht aufgesetzt wirken und die eigene Persönlichkeit wieder spiegeln….
    Mode ist nicht nur ein Genuß, wenn mann Größe 36 trägt, sondern es macht genauso Spaß mit Stoffen, Farben, Formen und Schnitten zu spielen , wenn Frau jenseit der Größe 46 ist….
    In diesem Sinne wünsche ich allen molligen und dicken modebewussten Mädels einen schönen Start in die Woche

    das Prachtweib

  4. Molli March sagt:

    Liebes Prachtweib,
    vielen Dank für deinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe.
    Ich musste sehr schmunzeln bei deiner Pulli-Beschreibung mit Plüschbärchenapplikationen.
    Sie erinnerte mich an eine ähnliche Erfahrung. Bei mir ging es um einen großen, blauen (meiner Meinung nach schielenden) Elefanten quer über der Brust. Früher empfand ich es als Beleidigung (und auch als indirekte „du bist halt fett, also erwarte kein Designerstück“-Botschaft), wenn mir eine Verkäuferin ein Teil aufschwätzen wollte, dass sie selbst niemals tragen würde.
    Leider habe mich davon in den Zwanzigern ganz schön beeindrucken lassen. Mit dem Ergebnis, dass ich oft in Schwarz unterwegs war (was genau betrachtet nicht automatisch pauschal ein Schlankmacher ist, wie ich immer wieder durch das Anschauen alter Fotos feststellen muss).
    Die modische Persönlichkeit kam bei mir erst in den 30igern. Warum auch immer. Ich wollte meine Kilos immer verstecken. Heute bin ich stolz auf meine Rundungen. Mit denen lässt sich nämlich besonders schön mit den Hüften wackeln ;-). Und tolle Frauen wie du machen mir Mut und zeigen mir, dass ich nicht alleine rund durchs Leben laufe.
    Auf runde Frauen mit schönen Kurven und eigenem modischen Stil.
    Ich freue mich darauf, wieder von dir zu lesen, Prachtweib. Bis bald! Herzliche Grüße Molli March 🙂

  5. Prachtweib sagt:

    Das mit dem Verstecken der Kilos kenne ich noch zu gut. Mir waren früher am liebsten Klamotten, die noch ein paar Nummern größer waren , als meine tatsächliche Konfektionsgröße und natürlich in schwarz….mittlerweile denke ich nur, wenn ich die Fotos sehe :“ ach du Scheiße “ und wie dumm von mir. Denn wenn man groß und dick ist, dann kann man sich nicht tarnen, weil man fällt immer auf…..also wenn schon , denn schon!!!
    Meine modisches Coming out hatte ich eigentlich jetzt mit meinem vierzigsten Geburtstag…irgendwann habe ich gedacht…was solls…nicht kaschieren, sondern inszinieren und dass tue ich mit Wonne und amüsiere mich sehr über die entgleisten Gesichtszüge meiner mageren Geschlechtsgenossinnen, die es nicht fassen können, dass ich mich anziehe wie ich mich anziehe…..ja…verdammt, ich habe einen dicken bauch und ja, verdammt !! ich habe einen dicken arsch …na und??? Ich halte es da wie Tine Wittler : “ Es gibt Nilpferde und Flamingos und beides sind wunderschöne Tiere „!! Und mal ehrlich….ein richtiger Frauenarsch ist erst dann ein richtiger Frauenarsch, wenn man ein Fahrrad zwischen parken kann und ein Glas Bier darauf abstellen kann.
    Und prinzipiell finde ich, dass manche Mode an schlanken Frauen garnicht gut aussieht..ich denke da insbesondere an Dirndl….
    In diesem Sinne…ein tolles Wochenende voller modischer Inspirationen
    Lg vom Prachtweib

  6. Molli March sagt:

    Lustig, dass du Tine Wittler erwähnst, Prachtweib. Denn durch ihr Buch bin ich auch ein wenig aufgewacht und habe mir die Frage gestellt, warum nicht auch ich modisch sein und denken darf. „Modisch plus“ eben! Und der oben zitierte Spruch ist klasse! Den kannte ich noch nicht. Eine rundum gelungenen Wochenstart an dich und alle Molli-Mädchen da draußen 🙂

  7. Tessa sagt:

    Hey, ich hab früher (mit 15,16 – vor 5 Jahren ca) immer ein wenig den „baggie-look“ getragen. nie so, dass ich zu männlich aussah aber der weite pulli war immer drin -> natürlich offiziell vor allem wegen der gemütlichkeit).

    heute find ich gibt es viele shops und kleidungsstücke, wodrin man auch als „etwas fülligere“ sehr gut aussieht…wenn nicht besser 😉

    z.B. http://www.mysale.de/v/fashion-sale/kategorie/Umstandsmode/ 🙂

    hoffe ich konnt helfen. lg tessa

    • Molli March sagt:

      Hallo Tessa,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich muss gestehen, ich war auch ein wenig erstmal … ja, irgendwie geschockt. Mit diesen Kleidern habe ich mich nie beschäftigt.
      Auch wenn manchmal blöde Kommentare kamen, wie „Bist du schwanger?“ (darüber werde ich auch mal einen Artikel schreiben), vielleicht gerade deswegen kam ich nie auf die Idee, in der Abteilung Umstandsmode zu schauen. Wollte denen Dummschwätzern ja auch nicht vor mir selbst die Blöße geben.
      Sind diese Kleider wirklich gut für eine Molli-Figur geeignet oder sollte man nicht eher zur Mode für Mollige greifen? Was meint ihr? LG Molli-Mädchen

  8. prouda sagt:

    Ich weiß genau was du meinst. Ich habe bevor ich rund 20 kg zugenommen habe immer nebenbei in Modegeschäften gejobbt und traute mich dann auf der Suche nach einem neuen Job nicht mehr, mich in Modeboutiquen zu bewerben. Ich dachte mir, ich passe wenn dann nur in deren größte Größe rein und sowas will eh niemand sehen. Ich wiege 79kg bei 176cm Größe (waren auch schonmal 6 kg mehr) und bin recht modisch, aber zumindest sehr interessiert und denke auch, so richtig aufblühen kann ich erst wieder, wenn ich meine 60 kg wieder habe.. man weiß einfach nie so ganz, was noch optisch gut aussieht, Dinge, die einem sehr gefallen, sind bei dicken Beinen und Po einfach ein Tabu. Wie gerne würde ich kurze Jeanshöschen tragen ^^

  9. Molli March sagt:

    Liebe prouda,

    lieben Dank für deinen Kommentar, und dass du deine Erfahrungen mit mir teilst.

    Ist das Aufblühen wirklich abhängig von einer Zahl auf der Waage?
    Klar, auch mein inneres Molli-Ego schreit natürlich sofort „Jaaaaaaaa“. Aber an vielen Tagen weiß ich es einfach besser.

    Nein, du darfst auch jetzt schon aufblühen! Und sei mutig und hole dir das vom Leben, was du wirklich willst! Ich für meinen Teil würde gerne viel mehr mollige Frauen in Modeboutiquen sehen, egal, ob die nun Kleidergröße 34 oder 54 verkaufen.

    Und machen wir uns nichts vor (auch wenn ich mir als Mollige das nicht so gerne eingestehe): Auch Frauen, die aus unserer persönlichen Molli-Sicht die Figur haben, die wir uns wünschen, sehen oft Dinge an sich, die ihnen nicht gefallen und möchten Kleinigkeiten verändern.

    Ein wenig Gelassenheit schadet uns da allen nicht. Sowohl uns, die den Blick von außen drauf werfen, als auch denen, die in dem Körper stecken.

    Außerdem: Nach deinen Maßen zu urteilen ist das Wort „mollig“ für dich doch eigentlich nicht angebracht, oder?

    Ich kann den Einfluss des Kopf-Kinos in unserem Alltag ja nachvollziehen, aber von außen glaube ich, nehmen dich die Menschen gar nicht als mollig wahr.

    Also, Angriff und gönne dir, du zu sein, mit oder ohne aktuell das Wunschgewicht erreicht zu haben.
    Ich wünsche dir viel Erfolg und würde mich freuen, wieder von dir zu lesen.

    Liebe mollige Grüße
    Molli

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